September 30, 2014

Shantidiva Siksasamuccaya

Kompendium des Trainings für Befreiungshelden (Merkverse von Shantideva)

(1) Wenn mir und den anderen Schrecken und Leid nicht angenehm sind, wodurch zeichnet sich dann die eigene Person aus, dass ich nur mich hüte und nicht den anderen?
(2) Wer das Leid beenden will und das Glück überschreiten möchte, muss zunächst die Wurzel des Vertrauens festigen und dann sein Denken fest auf die Erleuchtung ausrichten.
(3) Eifriges Praktizieren der Unterweisung ist nach dem Großen Pfad die Pflicht eines Befreiungshelden, deshalb soll er die Grundpfeiler der Lehre kennen um Verfehlungen zu vermeiden.
(4) Das Hergeben der Freuden der eigenen Person und des im Verlauf der drei Zeiten erworbenen Wohls für alle Wesen, dies ist Schutz, in dem das Fortschreiten der Läuterung liegt.
(5) Zum Wohl der anderen Wesen soll alles, angefangen mit der eigenen Person, hergegeben werden. Wenn etwas nicht zuvor gehütet wurde, wie kann es dann eine Wohltat sein? Was ist die Gabe wert, an der man keine Freude hat?
(6) Deshalb soll man im Interesse der anderen Wesen die eigene Person usw. hüten, indem man sich an den heilsamen Freund hält und die Sûtras vor Augen hat.
(7) Worin besteht in diesem Fall das Hüten der eigenen Person? Es besteht darin, das nicht dem Ziel dienliche aufzugeben. Wie wird dies erreicht? Indem man sich aller ziellosen Unrast enthält.
(8) Dies gelingt stets durch Achtsamkeit. Achtsamkeit ergibt sich aus tiefer Hingabe. Diese tiefe Hingabe erwächst aus dem glühenden Eifer, den das Erkennen der Erhabenheit der inneren Ruhe nach sich zieht.
(9) Der Gesammelte erkennt die Dinge, wie sie wirklich sind, so sagte der Weise. Indem man sich vom äußeren Treiben abwendet, verharrt der Geist bei der inneren Ruhe.